Planungen für das Bauvorhaben der Wohnungsbaugesellschaft BUWOG

1. Passt diese Dimension in direkter Angrenzung an das Bergedorfer Kerngebiet?

Das Wohnungsbauunternehmen BUWOG aus Österreich plant auf einer Fläche von ca. 5,1 ha ein neues Wohngebiet in hochverdichteter Bauweise, genannt „Stuhlrohrquartier“.

Das Gebiet wird im Osten begrenzt durch den Schleusengraben, im Westen liegt es direkt am Weidenbaumsweg, im Norden an der Stuhlrohrstraße und endet mit seiner Südgrenze an die Eisenbahn-Güterverkehrsstrecke nach Geesthacht mit dem dahinter liegenden Sander Damm.

Auf dieser Fläche sollten laut fortgeschriebenem Wohnungsbauprogramm für den Bezirk Bergedorf (Stand 29.11.2016) 800 Wohneinheiten (WE) entstehen. Im Frühjahr 2017 lautete die Planzahl 1.000 WE, im Juni 2017 dann 1.100 WE. Dem gegenüber nennt das Unternehmen BUWOG 1.279 geplante Einheiten für dieses Quartier in seinem 1. Quartalsbericht 2017.

Das Gebiet soll autofrei sein. Möglichkeiten für Müllentsorgung, Krankentransporte etc. sind vorgesehen, Tiefgaragenplätze für einen Teil der Einheiten geplant.

Die Gebäudehöhen stellen sich – wiederum nach derzeitigem Planungsstand – wie folgt dar:

 

Vier 7-8geschossige Großeinheiten in Blockrandbebauung mit einer Gebäudehöhe von ca. 28mtr.
Drei 12geschossige Wohntürme, mittig platziert mit einer Gebäudehöhe von jeweils ca. 42mtr.
Ein 20-24geschossiges Hochhaus mit einer Gebäudehöhe von 70 bis 84mtr.

 

Zum Vergleich sei angeführt, dass das CCB-Hochhaus eine Gesamthöhe von ca. 48 Metern erreicht.

 

2. Bedenken

Die drei mittig geplanten Wohntürme würden die Höhe des CCB-Hochhauses nahezu erreichen.

Das angedachte Hochhaus würde das CCB-Hochhaus nochmals um 22 bis 36Meter überragen. Eine Realisierung dieser Planungen würde das Stadtbild Bergedorfs nachhaltig verändern. Dies erfordert einen intensiven, ergebnisoffenen Planungsprozess, den es bislang nicht gegeben hat. Gleiches gilt für die immer stärkere Verdichtung, die mit „urban“ wohl eher schmeichelhaft umschrieben ist.

 

3. Unsere Position

Wir begrüßen grundsätzlich die Entwicklung der zurzeit gemischt genutzten Fläche für eine Wohnungsbau-Nutzung, fordern aber:

 

Denkmalgeschütze Stuhlrohrhallen

Die namensgebenden historischen Stuhlrohrhallen erfordern eine besondere Berücksichtigung. Hier gilt es, angemessene Abstandsflächen einzuhalten und ein für den Standort Bergedorf imagewirksames Nutzungskonzept zu entwickeln. Gestalterisch sollte sich das Quartier von den Stuhlrohrhallen aus entwickeln und die Hallen nicht „an den Rand drängen“.

 

3D-Visualisierung

Um einen realistischen Eindruck der Größenordnung des neu zu konzeptionierenden Stuhlrohrquartiers zu erhalten, muss eine 3D-Visualisierung erstellt werden. Die Größenordnung mit Sichtbeziehungen im Quartier und im Stadtbild muss erkennbar werden.

 

Geschosszahl

Die geplanten Geschosszahlen von 7-8 und 12 bzw. 20 Geschossen passen nicht ins Stadtbild und müssen zurück genommen werden. Es gilt, die für Bergedorf angemessenen Dimensionen einzuhalten. Hier sind die Größenverhältnisse von Gebäudehöhen und Freiräumen zwischen den Gebäuden denen des angrenzenden Gebiets der Glasbläserhöfe anzupassen. Der vom Bezirksamt entwickelte Bergedorf-Slogan „Schöne Stadt im Garten Hamburgs“ muss glaubhaft bleiben.

 

Verkehrskonzept

Aktuell entstehen entlang des Schleusengrabens weitere Wohngebiete, die Individualverkehre hervorrufen. Darüber hinaus werden in den kommenden Jahren bei einer Vorgabe von 800 zu schaffenden Wohneinheiten pro Jahr weitere Verkehre im Bezirk entstehen, die von der bestehenden Infrastruktur nicht aufgenommen werden können. Es ist erforderlich, ein Verkehrskonzept für den gesamten Bezirk Bergedorf aufzustellen, das alle neuen Quartiere mit den entstehenden Verkehren bei einem höheren Stellplatzschlüssel als 0,5 bis 0,6 berücksichtigt.

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