Neuer Stadtteil Oberbillwerder:

Was der Masterplan leisten muss

In den letzten Jahren sind in Bergedorf eine Reihe von großen Bauvorhaben initiiert worden. Ein Ende des Baubooms ist nicht absehbar. Im Gegenteil: mit Oberbillwerder soll ein ganzer Stadtteil neu entstehen. Die Dimensionen des Projekts sind gewaltig – und folglich auch die damit verbundenen Chancen und Risiken. Der Geschäftsführerin der IBA, Frau Pein ist ausdrücklich zuzustimmen, dass Oberbillwerder keine „Insel der Glückseligen“ werden darf, sondern sich organisch in den Bezirk einzugliedern hat.

I. Grundsätze

Jede substantielle Erweiterung der Siedlungsgebiete in Bergedorf muss von einer städtebaulichen Idee getragen sein, die die vorhandenen Strukturen berücksichtigt und einen deutlichen Beitrag zu deren Weiterentwicklung leistet. Alle konzeptionellen Überlegungen haben folglich als Ausgangspunkt den Bezirk Bergedorf und dessen Belange.

Es gilt, bei allen Wohnungsbau-Wachstumsmodellen den Charakter Bergedorfs auch unter dem Aspekt des hohen Natur- und Freizeitwertes für seine jetzigen und zukünftigen Bewohner zu erhalten. Bergedorf soll in seinen Stadtteilen in für die Bewohner überschaubaren Maßen und in sich selbst funktionstüchtig wachsen. Ungeachtet des Wohnungsneubaus ist damit die Verpflichtung verbunden, erkannten Funktionsdefiziten entgegenzuwirken und bestehende Strukturen zu stärken.

Maßnahmen der Innenentwicklung haben schon von Gesetzes wegen Vorrang vor der Schaffung neuer Baugebiete „auf der grünen Wiese“, § 1a Abs. 2 BauGB. Es ist sorgsam zu erwägen, inwieweit ein tatsächlicher Bedarf an Wohnraum im Bestand gedeckt werden kann. Erst wenn sich eine maßvolle Nachverdichtung nicht realisieren lässt, ist eine räumliche Erweiterung zu prüfen.

Der Grundeigentümerverein Bergedorf setzt sich daher grundsätzlich für einen maßvollen Umgang mit neuen Wohnungsbaupotentialflächen ein. Hierbei ist neben einem standortverträglichen Geschosswohnungsbau auch die Schaffung von Eigentum im Rahmen von Einzel-, Doppel- und Reihenhausbebauung erforderlich. Um es ganz deutlich zu sagen: 15stöckige Hochhäuser sollen auch künftig die Ausnahme bleiben.

II. Vorfragen

Die Planung des neuen Stadtteils Oberbillwerder stellt eine große städtebauliche Herausforderung dar. Die damit verbundenen Chancen für eine deutliche qualitative Weiterentwicklung Bergedorfs sollten unbedingt genutzt werden. Wir begrüßen es, dass die Diskussionen ergebnisoffen geführt werden sollen. Etwaige Mengengerüste stehen ebenso auf dem Prüfstand wie Größe und Ausdehnung von Oberbillwerder selbst.

Bevor überhaupt über mögliche Modelle Oberbillwerders nachgedacht werden kann, sind zwingend die Randbedingungen des Projekts zu klären:

1. Die angesprochene Leitidee ist aus einem städtebaulichen Gesamtkonzept abzuleiten, das für Bergedorf alle Aspekte der baulichen Entwicklung und infrastrukturellen Ausstattung abbildet. An einem solchen übergreifenden städtebaulichen Konzept fehlt es, auch wenn es Überlegungen für Teilaspekte (Beispiel: Wohnungsbauprogramm) durchaus schon gibt.

2. Vorab zu klären ist, welche Flächen unter Berücksichtigung naturschutzfachlicher Aspekte überhaupt zur Verfügung stehen. Das „Landgebiet“ zeichnet sich durch einen hohen Freiflächenanteil aus, was nicht etwa als Baulandreserve missverstanden werden darf. Auf Natur und Landschaft ist im Interesse gerade der erholungsuchenden Wohnbevölkerung in besonderer Weise Rücksicht zu nehmen.

3. Unklar ist die mögliche Erschließung des Baugebietes. Die Anbindung an den Felix-Jud-Ring, den Mittleren Landweg, den Billwerder Billdeich oder auch den Ladenbeker Furtweg ist jeweils sehr problematisch. Es darf nicht vergessen werden, dass Quell- und Zielverkehr, die Oberbillwerder zuzuordnen sind, das gesamte nachgeordnete Straßennetz belasten, das wiederum durch andere Neubauvorhaben (wie etwa durch die Glasbläserhöfe etc) deutlich stärker belastet wird. Die Erschließungsfrage ist untrennbar mit einem umfassenden Verkehrskonzept für Bergedorf insgesamt verbunden.

III. Inhalte

Erst dann, wenn diese Punkte abgearbeitet sind, lohnt sich eine Befassung mit Detailfragen der Bebauungsstruktur. Bereits jetzt ist für den Grundeigentümerverein absehbar, dass ….

  • im Interesse der Wohnruhe gewerbliche Nutzungen allenfalls untergeordnet möglich und wünschenswert sind
  • Wohnungsbau allenfalls in der Maßstäblichkeit von Allermöhe anzustreben ist
  • die funktionelle Anbindung an Allermöhe große Bedeutung besitzt – freilich ohne Schleichverkehre zu provozieren.
  • Geschosswohnungsbau mit maximal vier Geschossen begrenzt wird. Hamburg hat als Flächeneigentümer die Gelegenheit und die Verpflichtung, mit Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern zur Eigentumsbildung weiter Kreise der Bevölkerung beizutragen.
  • attraktive Freizeitmöglichkeiten zu schaffen sind, wie etwa großzügige Grünflächen mit hoher Aufenthaltsqualität, Sportplätze und ein Schwimmbad.

In Anbetracht der zu bewältigenden Fragen schätzen wir den Zeitplan bis zur Erstellung eines Masterplanes als deutlich ambitioniert ein. Dabei mag nochmals hervorgehoben sein, dass es bei allen Fragen nicht um das jeweilige Neubauprojekt, sondern um dessen Bedeutung für Bergedorf geht.